Leuchtturmprojekt "EroL"

Erosionsereignisse durch Starkregen im Markgräflerland


Hintergründe

Im letzten Jahrzehnt konnte im Landkreis Lörrach eine Zunahme von Erosionsereignissen in Zusammenhang mit Starkregen beobachtet werden. Vor allem die sogenannte Vorbergzone des Schwarzwaldes ist hinsichtlich ihrer topografischen und geologischen Gegebenheiten in Verbindung mit der Landnutzung potenziell stark gefährdet. Ziel des Projekts ist der Schutz der Bevölkerung vor Erosionsschäden durch Starkregen. Dazu werden in den betroffenen Gemeinden Gefährdungsanalyse und Erosionsgefahrenkarten erstellen. Nach erfolgter Risikoanalyse wird gemeinsam mit dem Landkreis ein Handlungskonzept erarbeitet, das Informationen zu Flächenvorsorge, Krisenmanagement und Konzeption von Maßnahmen enthält. Dieses Handlungskonzept wird in den Gemeinden vorgestellt, ein Netzwerk aufgebaut und Hilfestellungen für die Umsetzung gegeben.
Mit Hilfe der Starkregen- und Erosionsgefahrenkarten hat der Landkreis ein Instrument, um seiner Vorsorgepflicht gegenüber Bürgern und Gemeinden besser nachkommen zu können. So können Schäden wirksamer vermieden oder minimiert werden.

An der Betroffenheit des Landkreises durch klimawandelbedingte Starkregenereignisse besteht kein Zweifel. Als Leuchtturmprojekt soll "EroL" den Landkreis bei der Anpassung an den Klimawandel maßgeblich unterstützen.

Aktuelles

+++ Seit Januar 2019 liegen die Starkregengefahrenkarten in der Endversion vor +++

Zentrales Ergebnis der im Jahr 2018 durchgeführten Gefährdungsanalyse stellen die Starkregengefahrenkarten (SRGK) dar. Sie sind ein wichtiges Arbeitsinstrument für den anschließenden Risikomanagementprozess und für die Erstellung von Alarm- und Einsatzplänen. Im Gegensatz zu den Hochwassergefahrenkarten (HWGK) werden in den Starkregengefahrenkarten Überflutungen aufgrund von Starkregenereignissen im Gelände dargestellt, die unabhängig vom Gewässer auftreten und die auch keine unmittelbaren, rechtlichen Konsequenzen haben.
Nach erfolgter Vor-Ort-Kartierung, Validierungs-Workshops mit dem Gemeinden und erfolgtem Rechungslauf stehen nun die fertig zugänglichen Starkregengefahrenkarten zur Verfügung.

Grundsätzlich werden drei Szenarien dargestellt (nach "Leitfaden Kommunales Starkregenrisikomanagement in Baden-Württemberg", LUBW, 2016):

Seltene Abflussereignisse: Statistisches Niederschlagsereignis von 1 Stunde, das ca. alle 10 - 50 Jahre eintritt

Außergewöhnliche Abflussereignisse: Statistisches Niederschlagsereignis von 1 Stunde, das ca. alle 50 - 200 Jahre eintritt
Extreme Abflussereignisse: Extremes Niederschlagsereignis mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von größer 200 Jahren, bei dem großflächige Überflutungen auftreten


Bei der Kartendarstellung wird unterschieden zwischen
  • Überflutungsausdehnungkarten (UA):

    Überflutungsausdehnungkarten stellen die maximale Ausdehnung der Überflutung dar und inwiefern Objekte und Bereiche betroffen sind. Bei der Überflutungsausdehnung wird die Ausdehnung der 3 Szenarien auf einer Karte dargestellt (unterschiedliche Blautöne). Zusätzlich sind in den Karten Risikoelemente (Schulen, Krankenhäuser etc.) und die Lage von Durchlässen (Dolen, Schächte etc.) zu entnehmen.
  • Überflutungstiefenkarten (UT):

    Die Überflutungstiefen zeigen mögliche Eintrittswege des Wassers in die Gebäude auf. Bei Überflutungstiefen bis 10 cm besteht für nicht ebenerdige Kellerfenster oder Lichtschächte keine Gefahr. Zwischen 10 und 50 cm kann hingegen Wasser in Gebäude eindringen. Höhere Überflutungstiefen können bei Unterführungen, Treppenabgängen und Tiefgaragen relevant sein.
    Überflutungstiefekarten gibt es jeweils für die drei Szenarien selten, außergewöhnlich und extrem.

Über das Bürger-GeoPortal können Sie die Überfltungsausdehnungskarte interaktiv ansehen: Link zum Bürger-GeoPortal.

Meilensteine

Auf Basis von Fließwegekarten werden Karten zur Erosionsgefährdung erstellt. Dabei werden realistische Gegenwarts- und Zukunftsszenarien mit einbezogen. Gerade bei Starkregenereignissen ist es wichtig, dass ein Modell Einzelereignisse wiedergeben kann, um Onsite- und Offsite-Schäden abschätzen zu können. Für die Maßnahmenplanung sind vor allem die Ablagerungsprozesse sowie die Herkunftsflächen des Sedimentaustrags von Bedeutung. Hydraulische Modelle sind in der Lage durch ihre hohe räumliche und zeitliche Auflösung die Prozesse einzelner Starkregenereignisse, sowie Erosions-, Transport- und Depositionsflächen in Einzugsgebieten zu identifizieren. Die Erosionskarten werden mit dem Erosions- und Abflussmodell LISEM (Limburg Soil and Erosion Model) erzeugt. Mithilfe des Starkniederschlags aus den KOSTRA-Starkregenkarten wird das aktuelle Erosionsrisiko veranschaulicht und dargestellt.
Bei der Risikoanalyse wird eine flächige Risikobewertung vorgenommen, die kritischen Bereiche ermittelt und Risikokarten erstellt. Bei Ortsbegehungen der besonders betroffenen Bereiche werden Gefahrenschwerpunkte identifiziert und daraus Risiko-Steckbriefe abgeleitet.
Über die betroffenen Handlungsfelder werden die möglichen Maßnahmen zum Schutz vor Erosionsereignissen zusammengestellt (Bewirtschaftungsanpassung in der Landwirtschaft, kommunale bauliche Maßnahmen etc.). Im Anschluss wird ein Netzwerk aufgebaut, das bei der Umsetzung von Maßnahmen beteiligt wird. Von Seiten des Landkreises wird über finanzielle Start- bzw. Umsetzungsmöglichkeiten informiert und fachlich bei der Umsetzung unterstützt. Darüber hinaus werden die Integrations- und Synergiepotenziale z.B. mit Landschaftsplänen oder Ökokontoverordnung sondiert.
Auch nach Projektende wird sichergestellt, dass Maßnahmen umgesetzt werden und das Thema bei den Betroffenen weiterhin präsent bleibt.
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Förderkennzeichen: 03DAS111
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