Praxisimpuls IV:
"Stark für's Leben - Neues zum Denken für die Großen im Kindergarten"

Die Entwicklungs- und Bildungsbegleitung von Kindern über 4 Jahren in der Kita ist im Zuge der umfangreichen Aufnahme von Unterdreijährigen in den letzten Jahren etwas aus dem Blickfeld geraten. Dabei sind die letzten beiden Jahre im Kindergarten besonders geprägt von der Suche der Kinder nach neuen Herausforderungen, da sie bereits einige Jahre außerfamiliäre Erfahrungen gesammelt haben. Es muss auch für langjährige Kindergartenkinder noch etwas zu entdecken und neue Herausforderungen geben. Es ist wichtig, Zonen der nächsten Entwicklung vor Augen zu haben. Dafür sind aufmerksame Fachkräfte vonnöten, die die individuellen Themen und Interessen der Kinder durch Beobachtung und Vorwissen über „ihre“ Kinder als Ausgangsposition nehmen, um die Kinder zu begleiten und passend „zuzufüttern“. Auch die sogenannte „Wackelzahnpubertät“ unter der angeblich immer mehr Kinder leiden, kann die Folge strukturell verursachter (hausgemachter) Unterforderung sein.

Das Wahrnehmen und Aufgreifen der individuellen Potentiale und Interessen der Kinder sollte nicht als Schulvorbereitung, sondern primär als Lebensvorbereitung verstanden werden. Es geht nicht um richtige Stifthaltung, Zählen bis 30, Schreiben des eigenen Namens und Stillsitztraining zur Erfüllung schulischer Begehrlichkeiten, sondern um die Stärkung von Lebenskompetenzen, die letztlich nicht nur einen Schulerfolg, sondern auch eine erfolgreiche Lebensbewältigung ausmachen. Es geht dabei u.a. um Stärkung von Eigenmotivation, Affektregulation, Beziehungsfähigkeit, sozial-emotionale Kompetenz, Entscheidungs- und Problemlösefähigkeit, Verantwortungsübernahme und kritisches eigenständiges Denken. Anhand theoretischer Impulse und praxisnaher Beispiele soll eine alter- und entwicklungsangemessene Bildungsbegleitung von Übervierjährigen skizziert und mit den Teilnehmer:innen diskutiert werden.

Baustein Bleib dabei!

Kurzvita:

Dr. Joachim Bensel ist Verhaltensbiologe und Mitinhaber des Forschungsinstituts FVM. Er lehrt an der Ev. Hochschule Freiburg und der Universität Salzburg. Im Zentrum seiner Forschung steht vor allem die Stärkung kindlicher Selbstwirksamkeit durch adäquate Entwicklungs- und Bildungsumgebungen. Er ist vielfacher Fachbuchautor und wissenschaftlicher Berater für Ministerien und Unternehmen. Seit 1990 arbeitet er als Referent in der Aus-, Fort- und Weiterbildung für pädagogische Fachkräfte in Kita, Tagespflege und Schulkindbetreuung, Lehrer:innen und Elternbildner:innen.

Neben Offener Arbeit als Form der Kindertagesbetreuung forscht und arbeitet Dr. Bensel unter anderem auch zu den Themen Qualitätsmessung und -sicherung in der Kindertagesbetreuung, Einschätzung von Kindeswohlgefährdung in Kita und Schulkindbetreuung sowie zur ressourcenorientierten Beobachtung und Dokumentation.