Integriertes Energie- und Klimaschutzkonzept (IEKK)

Zusammenfassung


Das vorliegende Konzept wurde am 24.10.2018 durch den Kreistag beschlossen. Der Landkreis wird das Konzept in einer möglichst umfassenden Partnerschaft mit den Städten und Gemeinden und in Kooperation mit anderen relevanten Akteuren umsetzen. Das Konzept und die Maßnahmenvorschläge wurden in einem umfangreichen Beteiligungsprozess (Bürgerinnen und Bürger, Verbände, Unternehmen, Fachbereiche des Landratsamts etc.) durch die Energieagentur entwickelt.

Sofern alle 79 Maßnahmen, die im IEKK benannt sind, umgesetzt werden, kann der Landkreis kreisweit die Treibhausgasemissionen bis 2050 um mindestens 74 % gegenber dem Basisjahr 2012 senken.

Parallel zur Umsetzung des IEKK wird der Auftrag des Kreistags zur Vorbereitung einer Mobilitätsstrategie und von Maßnahmen, um die Mobilität im Landkreis nachhaltiger und klimaschonder zu gestalten, verfolgt.

Klimaschutz-Szenarien


Das Klimaschutzkonzept basiert auf Szenarien für den Landkreis unter Berücksichtigung übergeordneter Klimaschutzziele, insbesondere derjenigen das Landes Baden-Württemberg im Zeitraum bis 2050. Dazu wurden die Landkreis-Daten verwendet und aufgezeigt, welche Potenziale bestehen und welcher Beitrag zur Erfüllung der genannten Ziele geleistet werden kann.
Auf Basis der identifizierten technischen Potenziale (voll ausgeschöpft) ergibt sich für den Energieverbrauch über die verschiedenen Sektoren zunächst ein maximaler Absenkpfad, vgl. für die Stromversorgung bis 2050 Abb. 1 und für die Wärmeversorgung bis 2050 Abb. 2.


Szenario Strom
Abb. 1: Maximalszenario für Strom

Für das Landkreisgebiet kann festgestellt werden, dass eine Substitution der fossilen Energieträger zur Stromerzeugung durch – regional produzierte – erneuerbare Energien möglich ist und entsprechend große Potenziale im Landkreis gehoben werden können, insbesondere in den Bereichen Photovoltaik und Windkraft. Verglichen mit dem Stromsektor kann beim Wärmeverbrauch im Landkreis bewirkt werden, dass dieser bis zum Jahr 2050 insgesamt stärker abnimmt. Der Beitrag des Verkehrs zur Minderung von Energieverbräuchen bzw. zum Umstieg auf erneuerbare Energien ist in diesem Zusammenhang für den Landkreis lediglich näherungsweise zu bestimmen (siehe Abschlussbericht Kap. 6.5, S. 39 ff).

Szenario Wärme
Abb. 2: Maximalszenario für Wärme


Schlussfolgerungen


Als Hauptaussage folgert die Energieagentur, dass der Landkreis – mit entsprechenden Maßnahmen – im Bereich der Stromversorgung auf die Substitution fossiler Energieträger durch erneuerbare Energien und im Bereich der Wärmeversorgung auf die Senkung der Verbräuche und die Effizienzsteigerung hinwirken kann und sollte. Aus diesem Potenzial ergibt sich eine als „Leitbild“ bezeichnete Grafik zur Entwicklung der Endenergieverbräuche (einschließlich Kraftstoffe im Verkehr) zwischen 2015 und 2050 (Abb. 3). Das Leitbild bezieht sich auf die voll ausgeschöpften Potenziale im Landkreis.
Mit der ersichtlichen möglichen Absenkung des Energieverbrauchs (um maximal 42%) und des in diesem Rahmen möglichen Ausbaus des Erneuerbare-Energien-Anteils (auf maximal 55%) erscheint eine Minderung der kreisweiten Treibhausgasemissionen um ca. 1.500.000 t bis 2050 im Vergleich zum Stand 2015 möglich. Dies würde eine Emissionsminderung um 73% bedeuten.


Ziele

Abb. 3: Leitbild für den Landkreis Lörrach

Ein Hinweis wert ist aber auch die Feststellung, dass auf dem Gebiet des Landkreises das Ziel des Landes Baden-Württemberg, den Anteil der erneuerbaren Energien bis 2050 auf 80% zu steigern, voraussichtlich nicht adäquat erreicht wird.

Der Landkreis befindet sich mit verschiedenen Projekten und mit seiner Teilnahme am eea auf einem guten Weg bei der Umsetzung dieser Ziele. Der Mehrwert des Klimaschutzkonzepts ist die Konkretisierung der Potenziale und damit des Handlungsfokus‘. Entscheidend für einen weiter verbesserten Klimaschutzeinsatz des Landkreises ist es, Maßnahmen weiterzuführen, fortzuschreiben bzw. neu zu entwickeln.

Maßnahmenkatalog


Der Abschlussbericht enthält einen Katalog von 79 Maßnahmenvorschlägen. Diese wurden in einem umfangreichen Beteiligungsprozess (Bürgerinnen und Bürger [auch online], Verbände, Unternehmen, Fachbereiche des Landratsamts etc.) durch die Energieagentur entwickelt. Die einzelnen Maßnahmen sind in Maßnahmenblättern in Kap. 8.2, S. 59 ff dargestellt; eine Übersicht findet sich auf S. 146 ff.

Strukturiert ist der Maßnahmenkatalog nach
  • Einfluss („Wirkmacht“) Landkreis
    a) direkter und unmittelbarer Einfluss
    b) guter Einfluss
    c) geringer Einfluss

    sowie
  • Themenfeldern
    a) Energieeinsparung und Effizienzsteigerung
    b) Energieversorgung und erneuerbare Energien
    c) Mobilität
    d) Strukturelle Themen

    Außerdem enthalten die Maßnahmenblätter weitere Angaben zu
  • Klimawirkung / Treibhausgas-Einsparung
  • Zeithorizont
  • Aufwand
  • Priorisierung (als Empfehlung der Energieagentur)

Die vorgeschlagenen Maßnahmen setzen vielfach die Einbindung oder sogar die notwendige Mitträgerschaft anderer Akteure voraus. Voraussetzung ist daher, dass der Landkreis in diesem Zusammenhang eine gute Partnerschaft mit den Städten und Gemeinden und die Kooperation mit Bürgerinnen und Bürgern und mit der Wirtschaft aufbaut.