Das aktuelle Konzept wurde 2018 durch den Kreistag beschlossen. Der Landkreis setzt dieses Konzept in einer möglichst umfassenden Partnerschaft mit den Städten und Gemeinden und in Kooperation mit anderen relevanten Akteuren um. Das Konzept und die Maßnahmenvorschläge wurden in einem umfangreichen Beteiligungsprozess (Bürgerinnen und Bürger, Verbände, Unternehmen, Fachbereiche des Landratsamts etc.) durch die Energieagentur entwickelt. Der Landkreis strebt mit den darin enthaltenen 79 Maßnahmen an, eine kimaneutrale Region zu werden.
Derzeit arbeitet der Landkreis gemeinsam mit der Energieagentur Südwest und der Firma greenventory an der Fortschreibung des Integrierten Energie- und Klimaschutzkonzepts. Auch hier stehen viele Beteiligungsformate für die unterschiedlichen Akteure an. Neben der Landkreisebene werden auch die Stadt- und Gemeindeebene unter die Lupe genommen, Quellen von Treibhausgasen ermittelt und Maßnahmen zur Reduktion des Ausstoßes entwickelt, um bis 2040 eine klimaneutrale Region gestalten zu können.
Der eea ist das Qualitätsmanagementsystem und Zertifizierungsverfahren, mit dem die Klimaschutzaktivitäten der Kommune erfasst, bewertet, geplant, gesteuert und regelmäßig überprüft werden. Damit sollen Potentiale der nachhaltigen Energiepolitik und des Klimaschutzes identifiziert und genutzt werden. Der Landkreis nimmt seit 2013 an dem eea Teil und wurde seitdem bereits zweimal mit Silber ausgezeichnet. Der Landkreis Lörrach hat das Ziel, den Gold-Status zu erreichen.
Mit Abschluss des Projekts „Interkommunale Wärmeplanung“ hat der Landkreis und die 35 Städte und Gemeinden nicht nur Wärmepläne erhalten, sondern auch jeweils Szenarien, wie die Wärmeversorgung 2040 klimaneutral gestaltet werden kann. Dies wurde als Wärmewendestrategie im Juli 2022 durch den Steuerungskreis beschlossen. Für die Umsetzung werden folgende Themen weiter betrachtet:
- Gründung eines regionalen Wärmeverbunds Oberrhein – Hochrhein – Wiesental
- Abwärmenutzung und Tiefengeothermie
- Kampagnen und Informationsveranstaltungen zu Themenbereichen, wie z.B. Gebäudesanierung, Heizungsumbau, Windkraft, PV, …
Hochsommerliche Extremtemperaturen, starke Niederschläge, Dürreperioden und Stürme stellen schon heute viele Regionen in Deutschland und auch den Landkreis Lörrach vor große Herausforderungen. Die aktuellen Klimaprojektionen lassen erwarten, dass sich diese Entwicklungen in den nächsten Jahrzehnten noch deutlich verstärken. Die daraus resultierenden Belastungen und Risiken für Bürger, Unternehmen, die öffentliche Infrastruktur sowie Natur und Umwelt werden dadurch sowohl in Städten, als auch in ländlichen Regionen weiter steigen.
Der Landkreis hat ein Konzept zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels erstellen lassen, in dem auf die regionalen Veränderungen der Klimaverhältnisse geblickt wird. Daran anschließend wurden zwölf Handlungsfelder identifiziert, welche die Problemfelder sowie adäquate Handlungsoptionen aufzeigen. Basierend auf diesem Konzept will der Landkreis mit den kreisangehörigen Städten und Gemeinden in die Umsetzungsphase starten.
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Klimaneutral zu wirtschaften ist einerseits Grundvoraussetzung für unser gemeinsames Überleben, andererseits aber eine große Herausforderung – sowohl für Kommunalverwaltungen als auch für Industrie, Gewerbe und jeden Bürger. Es geht um eine gesamtgesellschaftliche Zukunftsaufgabe.
Der Landkreis Lörrach nimmt seine Vorbildrolle wahr und hat sich das Ziel gesetzt, seine Verwaltung bis zum Jahr 2030 weitgehend klimaneutral zu gestalten - Ganz nach der Zielsetzung der Landesverwaltung Baden-Württemberg. Ebenfalls hat sich der Landkreis mit Unterzeichnung des Klimapaktes zur klimaneutralen Verwaltung bekannt.
Und wie wird die Verwaltung klimaneutral?
Hierzu wurde eine Stelle mithilfe des Förderprogramms Klimaschutz-Plus des Landes Baden-Bürttemberg geschaffen, die den Landkreis konzeptionell unterstützt. Die Stelle ist seit Anfang 2023 von Samira Böhmisch als Beauftragte für die klimaneutrale Verwaltung besetzt.
Im Haus gibt es bereits zahlreiche Aktivitäten für mehr Klimaschutz, welche es nun zu bündeln und zu stärken gilt und in einer gemeinsamen Strategie zu lenken.
Seit einem Jahr ist die Beauftragte für eine klimaneutrale Verwaltung in regem Austausch mit den AkteurInnen im Landratsamt, die verschiedene Hebel im Klimaschutz haben. Es wurde eine Treibhausgas-Bilanz für das Jahr 2022 erstellt, die jedes Jahr aktualisiert wird. Dies dient dazu, zu überprüfen, ob wir uns auf dem Absenkpfad befinden und welche Sektoren die meisten Potenziale in der Emissionseinsparung haben.
Denn ob bei Baumaßnahmen oder beim Betrieb von Gebäuden, bei Dienstreisen, Arbeitswegen und beim Fuhrpark, bei der Beschaffung oder bei der Durchführung von Veranstaltungen: Überall entstehen Treibhausgasemissionen und überall haben wir Potenzial und die Verantwortung, unser Vorgehen zu hinterfragen und klimaschonend auszurichten.
Derzeit arbeiten wir mit Hochdruck an der Entwicklung von Maßnahmen, um Emissionen zu reduzieren und uns auf den Weg zur Klimaneutralität zu führen. Dies wird in einem Klimabericht festgehalten werden, der noch dieses Jahr veröffentlicht wird.
Der Landkreis steht hier selbstverständlich den Kommunen als Vorbild und Unterstützung zur Seite.
Für die Methodik der Bilanzierung und das Vorgehen orientiert sich der Landkreis an den Leitfäden und Vorgaben der Landesenergieagentur. Weitere Informationen hierzu finden Sie hier: www.kea-bw.de/kommunaler-klimaschutz/wissensportal/klimaneutrale-kommunalverwaltung
Nachfolgend eine Aufzählung der relevante Bereiche, die einer Transformation in Richtung Klimaneutralität bedürfen:
In der Verwaltung des Landkreises befinden sich zahlreiche Liegenschaften, darunter Pflegeheime, Schulen, Verwaltungsgebäude oder auch die des Eigenbetriebes Abfallwirtschaft. Die Treibhausgasneutralität soll in erster Linie durch die Einsparung, effiziente Bereitstellung, Nutzung und Speicherung von Energie erreicht werden. Damit einher geht die Umwandlung des Energiesystems auf erneuerbare Quellen und grüne Elektrifizierung.
Hier betrachten wir die Dienstreisen der Mitarbeitenden, die Ausgestaltung des Fuhrparks, wie auch Angebote für die Mitarbeitenden, um ihren Arbeitsweg bequem und klimaschonend gestalten zu können. hierzu gehört unter anderem die Elektrifizierung des Fuhrparkpools, wie auch der stärkere Fokus auf den Radverkehr und die Nutzung von carsharing.
Der Landkreis hat durch sein beachtliches Beschaffungsvolumen eine ökologische, wie auch soziale Verantwortung, gewisse Nachhaltigkeitsstandards bei der Beschaffung zu beachten. Angepasste Regelungsrahmen und die Unterstützung der Mitarbeitenden in der Umsetzung sind hier zentrale Erfolgsfaktoren. Hierzu gehört es auch, unsere Veranstaltungen neu zu denken und in Richtung "Green-IT" zu steuern.
Klimaschutz-Reporting
Der Landkreis initiiert ein neues „Reporting“ für die konkrete Wirkung von Klimaschutzmaßnahmen, um die Aussagekraft der Treibhausgasbilanzierungen zu verbessern. Ein stringenter Absenkpfad, jährliche Zielsetzungen sowie ein kontinuierlicher Abgleich der Maßnahmen mit den notwenigen Jahreszielen sind zentrale Elemente des Reportings. Nach Vorliegen des fortgeschriebenen Klimaschutzkonzepts 2024 wird das Reporting auch die Ebene der Gemeinden mit abbilden.
PV-Initiative und Wettbewerb
Das grundsätzliche Anliegen der PV-Initiative ist die Ausschöpfung des enormen Solarpotenzials im Landkreis Lörrach. Hierfür wurden ein „Programmrat“ eingerichtet, der aus VertreterInnen der Energieversorgungsunternehmen, Handwerkerschaft, GHD, Genossenschaften etc. besteht und der „AG 365“ in denen die Städte und Gemeinden vertreten sind. Beide Akteuresgruppen
treffen sich in regelmäßigen Abständen in Vernetzungstreffen, so dass Synergien optimal genutzt werden können.
Im Zuge der PV-Initiative hat der Landkreis im Oktober 2019 einen kommunalen Wettbewerb zum PV-Ausbau („365-Dächer“) initiiert. Dieser geht in diesem Jahr in den zweiten Zyklus und endet mit der Preisverleihung im Dezember 2023. 21 Kommunen nehmen aktuell am Wettbewerb teil.
PV auf Freiflächen
Zusätzlich zum Wettbewerb im Rahmen der PV-Initiative wird derzeit eine PV-Strategie für die Freiflächenakquise mit Flussdiagramm erarbeitet. Beteiligt sind neben den Fachbereichen des Landratsamtes auch die Energieagentur Südwest GmbH und der Regionalverband Hochrhein-Bodensee. Mittels der Strategie soll die Motivation zur Umsetzung von Freiflächenanlagen gesteigert und hierbei auch das Problem der Flächenkonkurrenz thematisiert werden.
Weitere Beratung und Sensibilisierung im Bereich Klimaschutz und erneuerbare Energien
Der Landkreis bietet Städten und Gemeinden sowie interessierten BürgerInnen auch über das Thema PV-Freiflächen-Anlagen hinaus Informationen und Beratungen zum Ausbau erneuerbarer Energien sowie zu weiteren klimaschutzrelevanten Fragestellungen. Hierzu gehören auch Erstberatungen zu Förderoptionen.
Ständige Teilnahme am Leitstern Energieeffizienz des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg
Im Rahmen des alle zwei Jahre stattfindenden Wettbewerbs werden Stadt- und Landkreise für ihr besonderes Engagement im Bereich Energieeffizienz ausgezeichnet. 2016 wurde der Landkreis Lörrach mit einem Sonderpreis in der Kategorie „Innovative Verkehrskonzepte/ÖPNV“ für die Einrichtung einer länderübergreifenden Online-Mobilitätsplattform ausgezeichnet. Die regelmäßig stattfindenden, inhaltlich sehr wertvollen Workshops werden besucht und mit den dortigen
AkteurInnen in den Austausch getreten.
Berichterstattung in politischen Ausschüssen und Gremien
Im Herbst jedes Jahres wird den politischen Gremien umfangreich über die Klimaschutzarbeit des Landkreises berichtet. Im Vorfeld wird der „Sachstandsbericht european energy award“ durch die Energieagentur Südwest verfasst, der den Umsetzungsstand der Klimaarbeit im Landkreis wiederspiegelt. Auch darüber hinaus findet das gesamte Jahr über eine weitere Berichterstattung im Rahmen diverser Tätigkeiten und Anfragen in verschiedenen Gremien und Ausschüssen statt.
Geschäftsstelle der Arbeitsgruppe Energie und Klimaschutz des Kreistags
Die Arbeitsgruppe Energie und Klimaschutz des Umweltausschusses wird federführend organisiert und bespielt durch die SST 302 in Ergänzung zu FB P&B.
Netzwerkarbeit (regionale KlimaschutzmanagerInnen, TRION, Agglo etc.)
Im Sinne der effektiveren Gestaltung von Klimaschutz, der gegenseitigen Informationsweitergabe zum aktuellen Stand der Arbeit und Planung sowie einer Bündelung von Arbeitskräften geht das Team Klima des Landkreises regelmäßig in den Austausch mit verschiedenen Gruppierungen und Organisationen, welche direkt und indirekt mit dem Thema Klimaschutz betraut sind. Dazu gehören die Vernetzung mit regionalen KlimaschutzmanagerInnen, welche die Stabsstelle federführend übernimmt, grenzübergreifende Netzwerke wie TRION-climate e.V. und Agglo Basel oder überregional aktive Gruppen wie LEADER.
Öffentlichkeitsarbeit (Internetpräsenz und weitere Informationskampagnen)
Der Landkreis informiert die Öffentlichkeit über die aktuellen Planungen und Tätigkeiten im Bereich des Klimaschutzes über die hauseigene Website und über Pressemitteilungen. Er stellt relevante Projektarbeiten vor, bietet Kontaktdaten zu AnsprechpartnerInnen und veröffentlicht Studien und Konzepte, die für den eigenen Wirkungsbereich erstellt wurden. Zudem werden allgemeine aktuelle Informationen zu den Themen Klimaschutz und -wandel bereitgestellt. Aktuell wird ein Kampagnenkonzept erstellt, welches die Klimaschutzaktivitäten des Landkreises vermitteln und die Bevölkerung sensibilisieren soll.
Fokus Innovationen (Tiefengeothermie, CCS, H2, etc.)
Auf die kommunale Ebene kommen stetig neue Anforderungen zu, die bekannte und neue Tätigkeitsfelder aufmachen. Dies erfordert eine stringente Nachverfolgung diverser Themenkomplexe. Der Landkreis arbeitet sich zu diesem Zweck in die aktuellen Entwicklungen im Bereich des kommunalen Klimaschutzes ein. Der Fokus liegt hier auf Themen der Energiewende und der Reduktion der Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre. Dazu gehören bspw. auch neuere technologische Felder wie die grüne Wasserstoffproduktion und –nutzung, Carbon Capture and Storage (CCS) oder überregionale Formen der Zusammenarbeit im Bereich der Wärmeversorgung.
Zusatz: Themenübergreifende hausinterne Schnittstellenarbeit
Das Thema Klimaschutz ist ein interdisziplinäres Fachgebiet. Nahezu alle Projekte und Tätigkeitsfelder im Bereich Klimaschutz können auch mit anderen Sachthemen verknüpft werden. Das Team Klima des Landkreises steht daher in regem Austausch mit den weiteren Organisationseinheiten des Landratsamtes, um Projekte zu initiieren, mitzugestalten, Fachexpertise einzuholen und weiterzugeben.
Klimaschutzkoordination
In 2023 wurde eine Koordinationseinheit auf Landkreisebene eingerichtet, welche den kreisangehörigen Städten und Gemeinden bei der Planung und Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen Hilfestellung leistet. Die Initiierung und Durchführung THG-mindernder Maßnahmen auf Ebene der Gemeinden und Städte sollen hierdurch begleitet werden. Die Klimaschutzkoordination bietet den Städten und Gemeinden des Landkreises folgende Unterstützung an:
- Eine direkte und kostenfreie Ansprechperson für Ihre Klimaschutzfragen
- Bedürfnisorientierte Unterstützung beim ersten “in die Hand nehmen” des Klimaschutzkonzepts bspw.: Aufdecken niederschwelliger Maßnahmen für Ihre Gemeinde & Er- und Vermittlung potentieller Aktuere
- Strategische Begleitung Ihrer Klimaschutzambitionen im Rahmen der Klimaschutzziele des Landkreises
- Einen kontinuierlichen Austausch zu Klimaschutz- und Mobilitätsthemen über Verwaltungsebenen und Steuerungskreise hinweg
- Beratung und Sensibilisierung zu Klimaanpassungsbedarfen der Region
Sensibilisierung und –schulung der MitarbeiterInnen / Klimascouts / Führungskräftelehrgang
Gemeinsam mit dem Fachbereich Personal & Service wird das Thema Klimaschutz in die bestehenden digitalen und analogen Weiterbildungsmaßnahmen eingebunden. Dies passiert z.B. über die Plattform ELMA (Elektronische Lernplattform für Mitarbeitende) und wird über eine interne Beteiligungsplattform ermöglicht. Hierzu gehören die Sensibilisierung und Schulung von Mitarbeitenden des Landratsamtes wie die Ausbildung von Auszubildenden (und weiteren Mitarbeitenden) zu Klimascouts sowie Führungskräftelehrgänge. Weitere Formate sind in Planung. Auch die Organisation von Aktionstagen ist eine mögliche Variante zur Steigerung der Sensibilisierung und Motivation der Mitarbeitenden des Landratsamtes.
Mit der Energieagentur Südwest GmbH besteht eine enge Kooperation hinsichtlich strategischer und inhaltlicher Klimaschutzarbeit. Die Zusammenarbeit erstreckt sich über diverse Projekte, dazu gehören unter anderem die hier im Dokument beschriebenen Aktivitäten: eea, PV-Initiative und PV auf Freiflächen, Klimaschutz-Reporting sowie Klimawandelanpassung.
Die Agentur ist als Kompetenzzentrum für alle Fragen rund um die Energiewende und die damit verbundenen Themen zu erneuerbaren Energien, Energieeffizienz und Klimaschutz aufgebaut. Sie steht damit Bürgern, Kommunen und Unternehmen als kompetenter Dienstleister zur Verfügung.