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Klimawandelanpassung im Landkreis Lörrach mit uns zu teilen
und so die Fortschreibung unseres Klimaanpassungskonzeptes
mit zu gestalten.
Rekordsommer und Jahrhundertfluten haben auch im Landkreis Lörrach bereits heute immense Auswirkungen auf die breite Bevölkerung. Das Klima verändert sich – mit spürbaren Folgen.
Vor dem Hintergrund gehört die Anpassung an veränderte Klimabedingungen ebenso zur notwendigen Aufgabe wie der Klimaschutz selbst.
In Abbildung 1 sehen wir eine starke Temperaturzunahme der letzten 30 Jahre.
Seit 2014 lagen alle Jahresmitteltemperaturen bis auf 2021mehr als 1°C über dem langjährigen Mittel vom Referenzzeitraum 1961-1990.
Seit 2022 jedes Jahr mehr als 2°C darüber.
Abbildung 1: Abweichung der Jahresmitteltemperatur zur Referenz (1961-1990) im Landkreis Lörrach. Quelle: Klimaatlas BW 2025.
Klimaprojektionen (Abbildung 2) zeigen künftig einen weiterer Temperaturanstieg. So kann es bis 2100, je nach Modell, 4-5 °C wärmer werden als im Referenzzeitraum 1961-1990.
Folgen des Klimawandels:
Anzahl der Sommertage (Temperaturmaximum mindestens 25°C) und Anzahl der heißen Tage (Temperaturmaximum mindestens 30°C) nehmen zu und hierdurch die Belastung für Mensch und Natur.
Trockenperioden (Dürren) werden länger und intensiver.
Wälder kommen zunehmend in Trockenstress und werden anfälliger für Schädlinge.
Exttremwetterereignisse nehmen zu, wie zum Beispiel Starkregenereignisse und Hagel.
Lebensräume von (vor allem feuchtigkeitsliebenden) Arten gehen verloren.
Klimadaten für Ihre Kommune
Detaillierte Daten über das vergangene und Prognosen über das künftige Klima können Sie den Klimasteckbriefen des Klimaatlas-BW entnehmen.
Der Landkreis Lörrach variiert sehr in seiner Topographie, daher fallen die Auswirkung des Klimawandels je nach Lage unterschiedlich aus.
Klimaanpassungskonzept 2021
Um den Folgen des Klimawandels entgegenzuwirken, entwickelte der Landkreis 2021 ein Klimaanpassungskonzept mit 12 Handlungsfeldern und insgesamt 48 Maßnahmen.
Allgemeine Temperaturanstiege, häufigere Hitzephasen und die Zunahme von Extremwetterlagen können eine Belastung für viele Menschen darstellen. Zweitens ist damit zu rechnen, dass die Zahl der durch Vektoren (z.B. Zecken oder Stechmücken) übertragenen Erkrankungen zunehmen wird. Veränderte klimatische Bedingungen werden Populationsdichte und Verbreitungsgebiete solcher Vektoren sowie die Einwanderung von giftigen Arten oder Allergenen begünstigen. Drittens ist mit einer verstärkten UV-Exposition der Menschen zu rechnen.
Identifizierte Maßnahmen
Aufklärungs- und Warnsysteme etablieren
Bekämpfung von Vektoren, Infektionskrankheiten u.ä.
Reduktion von Schädlingsbefall in der Abfallbehandlung
Der Landwirtschaftssektor zeichnet sich in besonderem Maße durch Abhängigkeit von Wetter, Witterung und Klima aus, sodass die Veränderungen von Temperatur und Niederschlägen starke Auswirkungen nach sich ziehen. Außerdem ist mit einer Zunahme von Unkräutern, Schädlingen und Krankheitserregern zu rechnen, sodass ein erhöhter Bedarf für Pflanzenschutzmaßnahmen entsteht. Auch sind die meisten Kulturpflanzen sehr anfällig für Hitzebelastung. Langfristig wird dies zu Ertragsausfällen führen. Gleiches gilt für die Tierhaltung.
Identifizierte Maßnahmen
Beratung zu Anpassung an die Klimawandelfolgen für Landwirte
Monitoring und Bekämpfung neuartiger Schädlinge
Intensiv genutztes Grünland gezielt verbessern
Förderung von Agrophotovoltaik oder Agro-Forstwirtschaft
Der Wald erfüllt wichtige Funktionen wie z.B. CO2-Bindung, Bodenschutz, Wasserschutz, Lawinen- und Steinschlagschutz, Beschattung und Rohstoffproduktion. Die raschen Klimaveränderungen führen dazu, dass einheimische Baumarten ihre seit Jahrtausenden bewährte Anpassungskapazität verlieren. Vor allem können kurzfristige Klimaschwankungen wie lange Trockenperioden in den Sommermonaten sich deutlich negativ auswirken. Außerdem steigt durch diese Schwächungen auch das Risiko für Sekundärschäden durch Schädlinge wie Borkenkäfer.
Identifizierte Maßnahmen
Waldumbau voranbringen
Waldbrandgefahr minimieren
Öffentlichkeit- und Bildungsarbeit: Klimawandel sichtbar machen
Erhaltung der Nutz- Schutz und Erholungsfunktionen im Wald
Veränderungen in Temperatur und Niederschlag wirken sich direkt auf Arten, ihre Lebensräume und damit auch die Zusammensetzung von Biotopen aus. Die verfügbare Wassermenge ist für die Vegetation entscheidend, das Pflanzenwachstum hängt stark von der Temperatur ab. In ferner Zukunft sind nahezu alle Biotoptypen des Landes als mittel oder hoch vulnerabel einzustufen. Die biologische Vielfalt ist jedoch eine fundamentale Bedingung der menschlichen Existenz; sie sichert unsere Lebensgrundlagen wie saubere Luft, sauberes Wasser und intakte Böden. Gemäß den Roten Listen sind derzeit 30 bis 40 Prozent der Arten Baden-Württembergs gefährdet, auch ohne den zusätzlichen Gefährdungsfaktor Klimawandel.
Identifizierte Maßnahmen:
Bekämpfung von invasiven Krebsarten
Schutz gefährdeter Tier- und Pflanzenarten im Landkreis
Beteiligung am landesweiten Biotopverbundsysteme
Böden sind von zentraler Bedeutung für die Umwelt und stehen in wechselseitiger Beziehung mit dem Klima. Auch hier sind Niederschlag und Temperatur die wesentlichen Klimafaktoren. Zudem sind die Niedermoorböden in Baden-Württemberg aufgrund der aktuellen Nutzung nahezu flächendeckend hoch gefährdet.
Identifizierte Maßnahmen
Verbindliche Erosionsgefahrenkarten fortführen
Unterstützungsangebote zu Erosionsschutz für Gemeinden
CO2-Bindung von Biomasse / Böden / Wald
Wetter und Witterungsextreme führen immer wieder zu Verkehrsstörungen. Das Verkehrssystem ist sehr vulnerabel, da kleine punktuelle Störungen zu weitreichenden Beeinträchtigungen führen können. Insbesondere temperatur- als auch niederschlagsgetriebene Klimafolgen beeinflussen Verkehrswege sowie Verkehrsträger. Extremwetterereignisse wie z.B. plötzliche, starke Schneefälle und Eisglätte, Aquaplaning stellen eine erhöhte Gefahr für Verkehrsteilnehmer:innen dar. Ebenso können auch hohe sommerliche Temperaturen die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen und Unfallgefahren steigern.
Identifizierte Maßnahmen
Hitzeschutz im ÖPNV und Haltestellenbereich
Erhaltung der kreiseigenen Straßen
Vorbeugende Maßnahmen zum Erhalt der Straßeninfrakstruktur
Das Handlungsfeld Wasserhaushalt bezieht die Herausforderungen auf Grund von Hoch- und Niedrigwasser, die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung, die Gewässerökologie, sowie die Entwässerung von Siedlungsgebieten ein. Jährliche Schwankungen führen dazu, dass die Grundwasserneubildung in den Sommermonaten eher geringer und in den Wintermonaten höher sein wird. Dies kann lokal erhebliche Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung haben. Zudem ist die Wassertemperatur hinsichtlich der ökologischen Auswirkungen einer der wichtigsten Faktoren für die Zusammensetzung der Lebensgemeinschaften in Gewässern. Darüber hinaus liefern Starkniederschlagsereignisse Beiträge zu Hochwasserrisiken in Fließgewässern und zu erosive Sturzfluten auf Ackerflächen und bringen auch das Abwassersystem im städtischen Bereich schnell an seine Grenzen. Auf der anderen Seite führen die längeren Trockenzeiten z.B. zu geringeren Erträgen bei der Energiegewinnung durch Wasserkraft.
Sicherstellung der Trinkwasserversorgung für die Bevölkerung
Umsetzung der Hochwasserrisikomanagementpläne des Landes
Entwicklung und Umsetzung eines Leitfadens zum Niedrigwassermanagement
Handlungsleitfaden und Pilotprojekte zum Thema "Schwammstadt"
Für die Stadt- und Raumplanung sind vor allem Klimafaktoren zur Wärmebelastung und Hitzeentwicklung von Bedeutung. Unter den Handlungsfeldern nimmt die Stadt- und Raumplanung eine Querschnittsrolle ein. Die Hitzebelastung wird in der fernen Zukunft nochmals deutlich zunehmen und sich negativ auf Morbidität, Mortalität und Leistungsfähigkeit des Menschen auswirken. Ebenso sind Schäden an baulicher Infrastruktur und Siedlungsgrün zu erwarten. Bisher liegt der Fokus größtenteils auf Klimaschutz. Die Dämmung kommunaler Gebäude wurde bisher z.B. nur unter diesem durchgeführt. Bauwesen und Stadtplanung können jedoch auch zur Klimawandelanpassung beitragen.
Identifizierte Maßnahmen
Analyse zu Wärmeinseln im Landkreis
Reduktion der Versiegelung von Flächen anregen
Informationsvermittlung zu Stadtbaumkonzept und insektenfreundliche Bepflanzung
Für das Handlungsfeld Bauwesen sind die Klimafolgen von Hitze, Starkregenereignisse und Dauerregen sowie Sturm, Hagel und Starkwindereignisse von Bedeutung. Der Gebäudebestand umfasst Wohngebäude im privaten und öffentlichen Besitz sowie öffentliche Gebäude. Hier rückt neben der winterlichen nun der sommerliche Wärmeschutz in den Fokus.
Identifizierte Maßnahmen
Erweiterung der bestehenden Energieleitlinie für die kommunalen Gebäude für klimarobustes Planen und Bauen
Schrittweise Anpassung von kommunalen Gebäuden an Klimaveränderungen bei Bau und Sanierung
Entwurf und Umsetzung einer Gründachstrategie sowie Aufbau eines Gründachkatasters
Beratung für Privatpersonen zu klimaangepassten Gebäudegestaltung
Weiterbildungsangebot für Handwerksbetriebe
Förderprogramm für Dach- und Fassadenbegrünung sowie Hofentsiegelung
Durch die Heterogenität der Wirtschaftssektoren, variieren die Chancen und Risiken und somit auch die Vulnerabilität innerhalb dieses Handlungsfeldes sehr. Dennoch legen bestehende Erkenntnisse nahe, dass es eine Reihe von Risiken gibt, die für nahezu alle Sektoren eine Rolle spielen: geringere Produktivität, erhöhter Verbrauch von Energie und Produktions- sowie Auslieferverzögerung wegen einer beschädigten Transportinfrastruktur.
Identifizierte Maßnahmen
Bewusstseinsbildung und Wissenstransfer für Unternehmen
Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Energiewirtschaft beziehen sich sowohl auf die Erzeugung, als auch auf den Energieverbrauch. Besonders Hitze und Niedrigwasser beeinflussen die konventionelle Energieerzeugung.
Auf die regenerative Energieerzeugung wirken sich die klimatischen Veränderungen sehr unterschiedlich aus. Es können positive und negative Folgen auftreten, wobei aufgrund der großen Diversität der Erzeugungsarten, die Folgen sich zum Teil gegenseitig ausgleichen können. Sonnenscheindauer, Windgeschwindigkeiten, Abflussmengen und die Dauer der Vegetationsperiode beeinflussen die Energie-Erträge.
Des Weiteren verschiebt sich die Energienachfrage im Jahresverlauf. Die milderen Winter senken langfristig den Bedarf an Heizenergie. Dem entgegengesetzt steht der höhere Bedarf an Kühlenergie in den wärmeren Sommern mit intensiveren Hitzeperioden.
Identifizierte Maßnahmen
Kooperation mit den Energieversorgern (EVUs)
Ausbau Erneuerbarer Energien im Landkreis vorantreiben
Sicherung der Notstromversorgung für sensible Einrichtungen
Für den Tourismus in Baden-Württemberg birgt der Klimawandel sowohl Risiken als auch Chancen. Der Anstieg der mittleren Tagestemperaturen ist dabei vor allem für den Wintersport problematisch. Die Tage mit Beschneiungspotenzial nehmen ab und die Schneesicherheit wird weiter abnehmen.
Die Tourismus-Saison des Sommers verlängert sich, wovon gerade der Outdoor-Tourismus in Frühling und Herbst sowie der Badetourismus, aber auch Camping-, Stadt- und Kulturtourismus, profitieren. Höher gelegene Orte im Schwarzwald werden zu „Sommerfrische-Orten“ aufgewertet. Allerdings können Trockenperioden wiederum die Gewässerqualität in Badeseen und das Landschaftsbild verschlechtern.
Identifizierte Maßnahmen
Erweiterung des Angebots und Produktentwicklung in Richtung klimaverträglicher und nachhaltiger Konzepte
Vernetzung der relevanten Akteur*innen im Tourismus
Sensibilisierung der Akteur*innen für die klimatische Änderung durch den Klimawandel z.B. Anbieten von Seminaren zum Thema Klimaschutz für touristische Leistungsträger*innen
Aktuell: Fortschreibung des Klimaanpassungskonzeptes
Der Landkreis befindet sich momentan in der Fortschreibung des bestehenden Anpassungskonzeptes (Fertigstellung bis Frühjahr 2027).
Neben der Aktualisierung der Klimadaten werden bestehende Maßnahmen angepasst und naturbasierte Lösungen stärker in den Fokus gerückt. Dabei handelt es sich um die Stärkung von Natur und Landschaft, sodass sie Anpassungsleistungen übernehmen können, etwa durch Kühlung via Vegetation oder Hochwasserprävention durch renaturierte Flüsse.
Durch frühzeitige Planung sollen Synergien genutzt und Konflikte zwischen Klimaanpassung, Klimaschutz und anderen Zielen vermieden werden. Da mit zunehmendem Klimawandel auch die Kosten steigen, werden natürliche Maßnahmen mit Mehrfachnutzen prioritär behandelt.
Das Klimaschutzkonzept wird vom Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit auf Grundlage eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert (Förderkennzeichen: 67DAAN0321).
Als Projektträger fungiert die Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH.